Hallo Ihr Lieben,
hier nun der nächste Teilbericht. Ich mache das jetzt lieber in häufigeren Frequenzen, Australien ist so dicht gepackt und befüllt. Und die Einträge sind ja eh schon lang.
Wobei ich guter Hoffnung bin, heute den Text etwas knapper halten zu können.
Nach Adelaide bin ich vor allem gereist, weil da in der Nähe viele, mutmaßlich gute Weingebiete sind. Außerdem hab ich vorher gelesen, dass es dort in der Bucht ein Delfin Sanctuary gibt, wo man beim Kajak fahren Delfine sehen kann. :)
Ich wollte dann um den 20.03. herum nach Melbourne reisen aus zwei Gründen.
- Ich wollte mich hier mit einem Kollegen der BSH treffen. Ich war bis September quasi der für ihn zuständige Personaler und der ist echt schwer in Ordnung.
- Am 20.03. hat in Melbourne das Food & Wine Festival begonnen, was irgendwie ziemlich cool klang.
Adelaide
Also, Adelaide als Stadt hat einen interessanten Ansatz. Aber so richtig vom Hocker reißt diese Stadt niemanden, glaube ich.
Das CBD (Central Business District, also quasi das Zentrum bzw. Downtown) ist so 6-7km vom Strand weg. Es wurde komplett am Reißbrett geplant und, und das fand ich ganz interessant, um das Zentrum herum, besteht erstmal ein komplett grünes Band aus einer Parkanlage. Die ist auch relativ breit (1km) und diente früher als Schutz der Stadt vor Angriffen. Und heute hat man eben das dichte Stadtzentrum, drum herum einen komplett grünen Gürtel und dann die typischen Wohnviertel, die eher schon Vorort-Charakter haben.
Adelaide ist auch deutlich kleiner als Sydney, Brisbane oder Melbourne. Das Downtown ist zwar dicht, wirkt aber trotzdem entspannter. Die meisten Gebäude sind dann doch eher zwischen 2 und 5 Etagen hoch und keine Hochhäuser.
Aber so richtig Charme hatte die Stadt für mich irgendwie trotzdem nicht. Ich hab dort auch so viele Obdachlose und verwahrloste Menschen (also wirklich, dass man sich nur fragt, auf WELCHEN Drogen die Person eigentlich ist) gesehen wie nirgends vorher. Macht das Stadtbild natürlich nicht besser.
Was ganz ulkig ist: Man merkt sofort, dass sich in der Region um Adelaide sehr viele Deutsche angesiedelt hatten. Auf einmal gibt's überall Schnitzel und Würstchen. In den Weinbergen wird auch sehr viel Riesling angebaut.
Die eine Weintour hat uns unter anderem nach Hahndorf geführt, der ältesten deutschen Siedlung Australiens (die großflächige Besiedlung Australiens begann so um 1830, Hahndorf gibt es seit 1839.
Da gibt's dann plötzlich Läden, wo Kuckucksuhren und Weihnachtsschmuck nach deutscher Machart verkauft werden. Teilweise gibt es gar nicht schlecht gemachte Fachwerkhäuser. Und überall Schnitzel, Currywurst, Bratwurst und deutsches Bier (überwiegend bayrisches Bier). N bisschen skurril, hat eher den Charakter eines Museumsdorfes für mich. :)
Was mir in Adelaide und Hahndorf das erste Mal so richtig aufgefallen ist, ist, wie viele Spielautomaten es in vielen Bars und Kneipen gibt.
Und scheinbar die Australier tatsächlich n ganz schönes Zocker-Volk...
In Summe war ich in Adelaide drei volle Tage (exklusive An- und Abreise). Am ersten Tag ging es ins Weingebiet Barossa Valley. Leider sehr bewölkt und dadurch nicht so schöne Panoramen. Die Weine waren auch nicht so meins.
An Tag 2 ging es ins Weingebiet "Adelaide Hills" (und es gibt noch mehr Weingebiete), da haben wir mir die Weine deutlich besser gefallen. Wetter leider auch sehr wechselhaft.
Und am letzten Tag bin ich dann morgens mit dem Kajak in der Bucht gefahren. Ein paar Delfine hab ich gesehen. Aber die waren meist zu schnell wieder weg für mich und meine Kamera. War trotzdem cool! :)
Und den Nachmittag bin ich dann ein wenig durch die Stadt geschlendert.
Hier mal zunächst gesammelte Impressionen von der Stadt.
Hier noch die Bilder von der Kajak-Tour. :)
Und hier ein paar Bilder von den Ausflügen in die Weingebiete (da fängt grad die Erntezeit an, der März in Australien entspricht ja im Grunde dem September bei uns).
Melbourne
Auf Melbourne war ich echt gespannt. Von der Stadt wird immer so geschwärmt. Viele finden sie besser als Sydney und Melbourne ist ja auch immer sehr weit vorne in der Liste der lebenswertesten Städte der Welt. Und nachdem ich ja von Sydney schon so begeistert war, war ich natürlich gespannt auf das hier wartende Paradies… :)
Und ehrlich gesagt war ich dann erstmal ein wenig enttäuscht.
Was aber vermutlich einfach an den hohen Erwartungen lag. Am Anfang war da erstmal „nur“ ein durchaus beeindruckendes Downtown im Zentrum und am Fluss entlang. Und auch wieder ein netter Mix aus alten und neuen Gebäuden. Und das Wissen, dass die Gastronomie-Szene hier (Cafés, Bars, Restaurants) hier absolut außergewöhnlich und hervorragend sein soll. Der Strand dagegen ist z.B. relativ weit weg und zur Abwechslung auch mal nur ganz nett und nicht traumhaft. :)
Okay... Aber irgendwie frag ich mich immer noch, ob es denn reicht, ein beeindruckendes Downtown und eine tolle Gastronomie-Szene zu haben. Da müsste eine Stadt aus meiner Sicht eher was Anderes bieten und dann kommt idealerweise noch ne tolle Gastro-Szene oben drauf. Auch wenn die Australier viel ausgehen. Jeden Abend die Bars und Restaurants der der Stadt zu erkunden, werden sich auch hier die wenigsten leisten können. So ein bisschen fehlt mir hier der besondere Charakter der Stadt. „Gesichtslos“ wäre aber auch wiederum zu hart als Urteil.
Und wie gesagt, auf den zweiten Blick hat mir die Stadt dann schon gefallen. Ich habe hier an zwei kostenlosen, geführten Rundgängen durch die Stadt teilgenommen (man soll dann halt selber das zahlen, was man für angemessen hält). Die eine hat drei Stunden gedauert und war ein bisschen der Rundumschlag mit Fokus auf der Stadtgeschichte. Die andere Führung war 1,5h lang mit Fokus auf die Kaffee- und Kneipenkultur und Straßenkunst.
Und da entdeckt man denn erst die irre vielen kleinen Gassen im Stadtzentrum, wo sich hinter einer total unscheinbaren, mit Graffiti besprühten Tür tatsächlich n total schönes Café oder ne irre coole Bar versteckt. Ohne große Werbung, ohne riesiges Schild. Und in den Gassen ist eben wirklich auch viel "Street Art" (also Straßenkunst) zu sehen. Jetzt beginnt hier auch ein Comedy Festival und Melbourne ist vermutlich auch die Sporthauptstadt Australiens (Australian Open im Tennis, Formel 1, Australian Football [muss ne ganz ulkige Promenadenmischung sein], Cricket und Co). Olympia war ja sowohl in Sydney als auch in Melbourne schon. 2032 folgt Brisbane (und alle in Australien sagen, dass es ein völliges Desaster wird, denn mit den Bauarbeiten an der neuen Hauptarena wurde noch nicht mal begonnen).
Ach ja und das Food & Wine Festival? Also, ich habe mir das so vorgestellt, dass es dann einfach viele Straßenstände und -Ausschänke gibt. Tatsächlich war davon aber Null zu sehen. Das einzige, was ich online gefunden habe, sind diverse Events (Tastings, Koch-Veranstaltungen, etc.), für die man aber alle reichlich teure Tickets kaufen musste. Das kann man ja einmal machen. Aber für jedes Event extra? Und da gab es eigentlich nichts unter 50 Euro. Hab ich mir dann also komplett gespart und eher so mal Bars erkundet und wieder viele Schritte gesammelt beim Flanieren durch die Stadt.
Also, ich hab die Faszination an Melbourne besser verstanden. Für mich bleibt aber Sydney ungeschlagen auf Platz 1. :) Da hat es einfach mehr ikonische Architektur, abwechslungsreichere Stadtviertel nah beieinander, die Bucht und die Strände.
Melbourne von oben…
So kann ein Bahnhofsgebäude aussehen.
Eindrücke aus den Stadtführungen…
Melbourne hat auch ein recht großes Chinatown. Da kamen bereits um 1850 viele Einwanderer im Rahmen des Goldrausches. Gefühlt sind. 60% der Bevölkerung asiatischer Herkunft, vor allem chinesischer. Sind wohl tatsächlich „nur“ 30%. Brisbane, Melbourne und Sydney werden da aber vermutlich einen überproportionalen Anteil haben im Vergleich zum Rest des Landes (und allein in diesen drei Metropolregionen wohnt knapp die HÄLFTE der australischen Bevölkerung…).
Unterwegs in den vielen kleinen Gassen von Melbourne…
An einem Tag habe ich auch dann auch mal eine organisierte Tour raus nach Phillip Island unternommen.
Das soll und ist tatsächlich auch eine landschaftlich sehr reizvolle Insel. Ganz anders, da merkt man dann schon die Nähe zum rauen Südpazifik. Viele Mooslandschaften, Flechten, Bäume wo man genau sieht, von wo der Wind kommt. Aber auch: Kängurus, Koalas und... Pinguine. :)
In der richtigen Jahreszeit natürlich auch wieder diverse Wale (Buckelwale, Orcas). Und Surfspots.
Hauptattraktion ist die sogenannte Pinguin-Parade. Jeden Abend kurz nach Sonnenaufgang kommen die Pinguine, die morgens vor Sonnenaufgang zum Jagen aufgebrochen sind, wieder an Land, um die Jungen und die an Land verbliebenen Artgenossen mit Nahrung zu versorgen. Sind wohl die kleinsten Pinguine überhaupt. Aber natürlich echt cool.
Von der Parade selber hab ich leider keine Bilder, Fotografieren war streng verboten. Da haben wieder n paar Leute ihre Technik nicht im Griff gehabt und mit Blitz fotografiert. Und Pinguin-Augen sind wohl sehr sensibel. Also, darf jetzt eben keiner mehr fotografieren...
Hab erst gedacht, sie machen das bestimmt vor allem, um mehr Bilder zun verkaufen. Aber sie bieten online kostenlos wirklich gute Bilder an: https://www.penguins.org.au/attractions/penguin-parade/
Es scheint Ihnen also WIRKLICH ausschließlich um das Wohlbefinden der Tiere zu gehen.
War n cooler Ausflug, aber auch ein langer Tag. Die Pinguine kommen ja erst nach Sonnenuntergang an Land. Und man sieht gar nicht so viel. Man ist relativ weit weg, sie sind klein, es wird dunkel. Aber man sieht dann schon, wie einzelne Pinguine aus dem Wasser kommen, sich circa in 10er-Gruppen versammeln und dann schnell über den Strand huschen in Richtung Uferböschung. Dort warten die Artgenossen und die sicheren und warmen Höhlen. :)
Ein paar Pinguine auf dem Weg… :)
Und hier sieht man dann aber, welche Ausmaße die Beobachtung der Pinguin-Parade hat… :o
Es ist wirklich irre, wie die Zeit verfliegt.
Heute beginnt dann schon die letzte Etappe, ein Roadtrip von Melbourne nach Sydney mit einem Campervan. :)
Und Freitag in einer Woche lande ich schon wieder in Deutschland. Kann ich noch gar nicht fassen...
Ich hoffe, ihr genießt den Frühling!
Viele Grüße und bis bald,
Steffen
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