Darf ich mich vorstellen? Ich bin der Divemaster!

Veröffentlicht am 1. Februar 2026 um 07:16

Hallo Ihr Lieben,

 

fassen wir die Lage nochmal kurz zusammen.

Ich hatte mir vorgenommen, den Divemaster bis ca. 24. März abzuschließen und dann noch eine Woche durch die Philippinen zu reisen.

Jetzt ist das irgendwie ein bisschen blöd gelaufen.

Seit gestern, den 31. Januar bin ich offiziell Divemaster… :D

Statt 11 Wochen habe ich also ein bisschen über drei Wochen gebraucht (mit 3x zwei Tagen Pause zwischendurch…).

 

Tja, wie konnte das passieren?

- In Mathe schon immer schlecht gewesen? Stimmt! Hat hier aber ausnahmsweise keine Relevanz.

- Bestechung? Wüsste vermutlich gar nicht, wie man das macht ohne erwischt zu werden. ;)

- Urkundenfälschung? Siehe Stichpunkt Nr. 2.

 

Die Realität ist etwas banaler.

Ich hatte in der Vorbereitung meistens gelesen bzw. es so abgespeichert, dass man das Programm in 4 Wochen schaffen kann und 6-8 Wochen empfohlen werden.

Mein Gedankengang war daher, der Empfehlung zu folgen und noch etwas Puffer draufzuschlagen, damit alles schön entspannt bleibt und ich zwischendurch auch mal zum Spaß tauchen und die Insel erkunden kann.

Es gab auch keinerlei Hinweis vom Tauchzentrum, dass das ganz schön viel Zeit ist.

Ich habe ja dann im Durchschnitt nach 5 Tagen Aktivität auch immer 2 Tage frei genommen. Die hab ich auch gebraucht, ich war dann auch echt platt. Dachte echt, ich bin hier mega entspannt und langsam unterwegs.

Samstag vor einer Woche hatte ich noch bei einem Anfänger-Tauchkurs unterstützt und die haben mich dann gefragt, wie weit ich denn in meinem Programm bin. Und ich hab gesagt, dass ich das echt schwer einschätzen kann und vielleicht ein Viertel oder ein Drittel geschafft habe. Meine Tauchlehrerin saß daneben und hat weder in dem Moment noch danach was dazu gesagt…

Und dann hat mich das Tauchzentrum halt in eine Gruppe mit Dave und Haley gepackt, die beide ihren Divemaster so schnell wie möglich abschließen wollten. Und es war immer klar, dass ich eine der finalen Aufgaben zwingend mit Dave absolvieren muss.

Und irgendwie haben wir dann in der letzten Woche echt viel durchgepeitscht, damit Dave und Haley schnell fertig werden. Ich fand’s echt schon arg stressig, wir haben sehr viel abgehakt. Aber ich wollte dann auch nicht der Grund sein, dass Dave und Haley ihre Abschlüsse nicht zeitnah machen können. Ich hatte auch zunehmend den Eindruck, dass das Tauchzentrum auch möchte, dass wir fertig werden, damit sie wieder auf die Kapazität der Tauchlehrerin zugreifen können.

Also, hab ich mir irgendwann auch gesagt, dann zieh ich jetzt eben durch und nutze die zusätzliche Zeit dann für andere Sachen. Ich war auch zunehmend genervt vom Tauchzentrum. Ist mitunter schon chaotisch dort. Aktuell ist absolute Hochsaison und ich finde nicht, dass die Organisation das gut abfedert. Hab gestern versucht, denen Feedback zu geben und meine Beobachtungen und Ideen für Verbesserungen zu teilen und wurde ganz schön abgewatscht. Bin jetzt echt durch mit denen… :)

 

Tja, und somit bin ich nun Divemaster… :o


Ich muss auch ehrlich sagen: Ich finde es ein bisschen erschreckend, wie wenig man eigentlich wirklich tun muss, um Divemaster zu werden. Klar, es bereitet Einen schon auf Einiges vor und am Ende kann man sowieso nicht alles trainieren, was in der Realität vorkommen kann. Aber ich hätte doch gedacht, dass man in diesem Programm mehr an der eigenen Tauch-Technik arbeitet, also an der eigenen Tauch-Exzellenz, wenn man sich danach „Master“ nennt. Aber das ist einfach nicht vorgesehen.

 

Was war am Ende alles zu tun?

  • eLearning und einen Theorietest vor Ort
  • 400m Schwimmen
  • 800m Schwimmen mit Flossen, Maske und Schnorchel 
  • 15 Minuten an der Wasseroberfläche treiben und die letzten 2 Minuten darf man dabei die Hände nicht benutzen
  • 100m lang einen anderen Taucher „abschleppen“, sowohl der andere Taucher als auch ich sind dabei in voller Tauchmontur
  • Dave und ich mussten unter Wasser nahezu unsere gesamte Ausrüstung tauschen: Maske mit Schnorchel dran, Schwimmflossen und vor allem die Taucherjacke mit dem daran befestigten Sauerstoff-Tank. Das Ganze in eher flachem Wasser ohne den Boden oder die Wasseroberfläche zu berühren. Und es darf immer nur einer von beiden Tauchern Sauerstoff-Zugang haben (entweder man teilt sich einen Atemregler oder muss wirklich drauf achten, dass nur einer seinen Atemregler im Mund hat). Wir hatten zum Glück Flut und somit ca. 4m „Luft“ zwischen Boden und Wasseroberfläche. Hatten uns deshalb auch entschieden, dass im Meer zu machen und nicht im maximal 2,40m tiefen Pool (zumal das Salzwasser im Meer hilft, die Balance zu halten und nicht zu viel nach oben oder unten zu sinken beim Ein- und Ausatmen).
    ABSOLUT anspruchsvolle Aufgabe. Das Hirn kriegt halt Panik, wenn es merkt, dass es nicht permanenten Zugang zu Luft und damit zu Sauerstoff hat. Wir dachten, wir hätten nen super Plan, bis uns die Realität ereilt hat… Der kritische Moment ist, wenn die Taucherjacken mit Sauerstoff-Tank getauscht werden. Haben es dann im dritten Anlauf geschafft, zwischendurch wurde es ganz schön emotional und hitzig in der „Aufarbeitung“ der ersten beiden gescheiterten Versuche… ;)
    Hier mal ein ganz gutes Video dazu. Die Streber haben das sogar im Pool gemacht und waren superschnell. Süßwasser macht das definitiv noch schwieriger… https://youtu.be/eVULZKLhW9o?si=FV_HoPnOssW9apT2
    Muss ich definitiv nicht wiederholen… ;)
  • Assistieren bei einem Anfänger-Tauchkurs (da ist man dann wirklich einfach Hilfskraft)
  • Assistieren bei einem Fortgeschrittenen-Tauchkurs
  • Leitung eines simulierten Schnupper-Tauchkurses (Mitarbeiter simulieren die Teilnehmer und man muss sie eben vernünftig in die Ausrüstung, Atmung, Kommunikation unter Wasser, etc. einführen und dann auch ein paar Fähigkeiten unter Wasser demonstrieren)
  • Leitung eines simulierten Auffrischungskurses (Mitarbeiter simulieren die Teilnehmer und man muss sie eben vernünftig wieder auf den aktuellen Stand bringen und dann auch ein paar Fähigkeiten unter Wasser demonstrieren)
  • Leitung eines simulierten Schnorchel-Kurses
  • Suchen und Bergen eines simuliert bewusstlosen Tauchers unter Wasser, Zurückbringen ins Tauchzentrum bei gleichzeitiger Mund-zu-Mund-Beatmung und dann Herz-Rhythmus-Massage (also nochmal das, was ich für den Rescue Diver Schein machen musste)
  • Suchen und Bergen eines Gegenstandes
  • Zeichnen einer Karte von einem bestimmten Tauchgebiet
  • Anleiten eines Tauchgangs inklusive Briefing (Einweisung / Instruktionen vorab zum Tauchgang)
  • Planung eines Tauchganges und Risikomanagement (Sicherstellen, dass Erste-Hilfe-Kasten und medizinischer Sauerstoff an Bord ist, etc.)
  • Nachttauchgang absolvieren
  • Tiefentauchgang (30 Meter) absolvieren inklusive Navigation unter Wasser
  • alle 24 Tauch-Skills, die man im Anfänger-Kurs lernt, muss man auf Tauchlehrer-Niveau vorführen können
  • Bewertung der persönlichen / sozialen Eigenschaften durch den Tauchlehrer
  • Und last but not least ( und das fand gestern statt): der sogenannte „Hell Dive“

 

Der Hell Dive ist quasi die Abschlussprüfung. Vier Profis simulieren Taucher und man muss sie von Anfang bis Ende begleiten. Also von der Ankunft im Tauchzentrum über das Zusammensetzen der Tauch-Ausrüstung, Briefing, Leitung des Tauchgangs, Rückkehr zum Tauchzentrum bis zur Verabschiedung.

Und das sind alles gewiefte Taucher, die selber einen Hell Dive machen mussten. Und die haben den Auftrag, dir Probleme zu machen und haben daran natürlich eine riesige Gaudi… ;)

Eine Taucherin hat (sie ist selber Deutsch- Holländerin) hat einfach nach eigener Aussage ne typisch-ätzende Deutsche simuliert, die ich tatsächlich am liebsten nach 5 Minuten aus dem Tauchzentrum geschmissen hätte. :D Fordernd, unverschämt, ungeduldig…
Ausrüstung wird falsch montiert, beim Briefing wird demonstrativ nicht zugehört und dann geht’s eben ins Wasser und da muss man dann natürlich die „Probleme“ entdecken und lösen.

 

Im Endeffekt bin ich also den ganzen Tauchgang rückwärts geschwommen, damit ich meine Pappenheimer immer im Blick habe (aber die wussten auch, wie sie aus meinem Blickfeld ausbüchsen, damit ich nicht alle vier im Blick habe).

Zwei Taucher waren zu tief, die musste ich nach oben bitten. Einer war immer ganz weit hinten und zu weit weg von seinem Buddy und der Gruppe. Einer hatte ne Taucherbrille, die voller Wasser gelaufen ist und konnte sie nicht alleine wieder aufsetzen (und wäre dabei in seiner „Panik“ fast an die Wasseroberfläche geschossen). Einer hat aus Versehen eine Schwimmflosse verloren und permanent die Korallen angefasst (wir berühren unter Wasser nix, was nicht uns gehört).

Also, am Ende schon auch alles lösbar, die hätten sehr viel fieser sein können. Aber meine Güte stand ich unter Strom vor dem Tauchgang. Man hört ja dann sämtliche Horrorgeschichten, wenn man sich vorher erkundigt, womit man da so rechnen muss…

 

Tja, und nun bin ich durch und habe plötzlich noch zwei Monate Zeit.

Für März gibt es schon einen Plan. Stay tuned… ;)

Den Februar werde ich nutzen, um die Philippinen zu bereisen und betauchen. Da mache ich mir jetzt die kommenden Tage mal in Ruhe Gedanken und hoffe, dass meine Unterkunft mich auch etwas früher gehen lässt. Ich hatte ja schon bis 12. Februar bezahlt, weil ich niemals mit so einem frühen Abschluss gerechnet habe… :o

Zumindest einen Tauchgang mit den Sardinen möchte ich hier noch machen zum Spaß. Sonst habe ich die ja immer nur bei irgendwelchen Kursinhalten gesehen. Aber mehr Tauchen brauche ich dann in Moalboal und mit dem Tauchzentrum nicht mehr…

 

Bis bald und lasst es euch gut gehen

Euer Steffen

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Kommentare

Vati
Vor 2 Monate

Glückwunsch zum Meister

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