Hallo Ihr Lieben,
inzwischen solltet ihr ja alle wieder im Alltag angekommen sein und dürft euch scheinbar ja größtenteils an einem schneereichen Winter erfreuen. :)
Die erste Hälfte des Sabbaticals ist schon vorbei und und die beiden Hälften unterscheiden sich ja sehr. Die erste Hälfte bestand aus sehr viel Herumreisen, in der zweiten Hälfte bleibe ich zumindest mal in einem Land.
Daher finde ich es ganz passend, hier mal ein erstes Fazit zu ziehen und auch eine Übersicht zu liefern, was der Spaß eigentlich bisher gekostet hat.
Tatsächlich habe ich ja, wenn man rein die Reise um die Erde betrachtet, den absoluten Großteil bereits hinter mir. Ich bin auch "nur noch" sieben Stunden vor der Zeit in Deutschland.
Für eine klassische große (Welt)Reise sind die ersten drei Monate ja sehr viel aussagekräftiger als die zweiten drei Monate, denn da werde ich allein in Moalboal sehr viel länger sein und somit in Summe auch sehr viel weniger reisen (und die Philippinen sind schon ziemlich günstig). Die Gesamtübersicht wäre dann wohl ziemlich verwässert.
Fangen wir mal mit den Kosten an.
Ich habe wirklich versucht, überaus minutiös alle Kosten im Zusammenhang mit dem Sabbatical zu tracken. Ich fand das selber einfach auch total spannend, was das nachher kostet.
Ne Unschärfe ist auf jeden Fall drin. Ich würde aber behaupten, dass da maximal ein niedriger dreistelliger Betrag fehlt.
Ich habe so ziemlich alles im Excel gesammelt, was ich ausgegeben habe. Natürlich Dinge wie Flüge, Unterkünfte, Transfers, Ausflüge. Aber auch wenn ich irgendwo Wäsche gewaschen habe oder beim Friseur war. Oder tauchen war. Nicht jeder geht tauchen, aber andere würden diese Zeit dann vielleicht mit anderen Ausflügen verpflichten. Daher finde ich es schon richtig, die mit reinzuzählen.
Damit ist es aber natürlich nicht ganz vergleichbar mit einem Urlaub. Ich habe ja in Deutschland meine Kosten wirklich aufs absolute Minimum runtergefahren. Bahncard und Deutschland-Ticket sind gekündigt, der Vertrag mit dem Fitnessstudio ist stilgelegt, die Wohnung ist kostendeckend (also Warmmiete, Strom, Internet) untervermietet.
Die Kosten für Unterkünfte und Transfers in Brasilien, Vietnam und Kambodscha sind natürlich auf mich als Einzelperson angepasst. Da war ich ja nicht alleine unterwegs.
Kategorien und Kosten:
- Vorbereitung (z.B. Reiseführer, VPN-Software, Packwürfel, Strom-Adapter, Visa für einzelne Länder, SIM-Karten vor Ort): 503,32 EUR
- Ausflüge / Aktivitäten (ohne Tauchen, tw. sind hier Bargeld-Abhebungen drin, die ich nicht mehr zuordnen konnte): 3.384,08 EUR
- Tauchen: 2.108,78 EUR
- Verpflegung, Friseur, Wäsche, Restaurants, Bars, etc.: 3.164,72 EUR
- Unterkünfte: 8.989,88 EUR
- Flüge, Transfers, Taxis, Uber, Fähren, etc.: 9.071,03 (inkl. schon gebuchtem Rückflug nach Dtl)
- Gesamtkosten bisher: 27.221,81 EUR
- Kosten pro Tag (95 Tage vom einschl. 02.10.2025 bis einschl. 04.01.2026): 286,55 EUR
Ein bisschen schockt mich die Zahl auf den ersten Blick selber. Auf den zweiten Blick passt sie aber natürlich schon auch zu meinen Kontoständen.
Hier mal meine Anmerkungen dazu:
- Ich habe das ja im Verlauf selbst gemerkt und ihr sicher auch an den Anmerkungen. Günstig war fast nichts auf der Reise.
Auch Länder wie Brasilien und Argentinien waren alles andere als günstig. Tagesausflüge in Argentinien lagen bei über 200 US-Dollar. Das waren so ziemlich die drei teuersten Länder in Südamerika. Alle anderen Länder dort sind wohl, teilweise deutlich, günstiger.
Von Fiji und Palau ganz zu schweigen.
Vietnam und Kambodscha waren jetzt ziemlich sicher und mit gehörigem Abstand die günstigsten Länder. Auch die Philippinen werden mich nicht arm machen. - Tauchen ist natürlich ein spezielles Thema und das war ja nun mit Fiji und Palau ebenfalls in zwei sehr teuren Ländern. In Thailand oder hier auf den Philippinen könnte ich von dem Geld SEHR viel öfter tauchen.
- Verpflegung: Ja, am Ende hatte ich gar nicht so oft wie gedacht eine Küche zur Verfügung, um selber zu kochen. Und dann hat man in den Ländern natürlich auch oft nicht die Zutaten da, die man bräuchte, um so regelmäßig und abwechslungsreich wie zu Hause zu kochen. Und zu Hause kocht man ja dann auch eher mal vor und friert ein. War hier jetzt auch eher ungünstig... :)
Pasta geht immer, aber irgendwann kann man das auch nicht mehr sehen und man ist meist auf Fertigsaucen dazu angewiesen.
Und dadurch kommen dann natürlich doch recht viele Restaurantbesuche zustande. McDonalds und Co. waren halt auch tabu... - Unterkünfte: Ich hab da wirklich selten auf großem Fuß gelebt. Aber alleine reisen IST teuer... Ich habe wirklich IMMER ein Doppelzimmer nehmen müssen.
Allein die Unterkunft in Palau hat mich ja stolze 2.800 EUR gekostet. Dazu habe ich mich ja schon ausführlichst ausgelassen. ;)
Wenn ich mal alle Unterkünfte und alle Taxi-Fahrten addiere in der Zeit, in der ich alleine unterwegs war und annehme, dass alle diese Kosten durch 2 geteilt würden (für Ausflüge, Tauchen, Restaurants, Flüge, etc. macht das ja keinen Sinn), dann hätte ich in der Konstellation 3.278,85 EUR weniger ausgegeben. - Flüge... Mei, es sind ja auch wirklich verdammt viele Flüge und verdammt viele Flugkilometer gewesen. Jetzt darf man aber auch nicht vergessen, dass ich mir für den Flug von Deutschland nach Brasilien und für den Rückflug nach Deutschland zum ersten Mal in meinem Leben Business Class gegönnt habe. Da könnte man vermutlich so schätzungsweise 2.000 EUR abziehen.
2x musste ich ja auch Flüge für nicht wenig Geld umbuchen (Atacama-Wüste und von Fiji nach Australien). Aber da würde ich sagen, das kann auf so einer Weltreise immer passieren.
In Summe... Joa, es ist, wie es ist und dafür habe ich ja auch lange gespart. Habe in der Vergangenheit auch schon die Erfahrung gemacht, dass günstige Ausflüge eben auch ihre Nachteile haben.
Insofern: Verdammt viel Geld! Und einige Einsparmöglichkeiten sind bestimmt vorhanden (als Paar). Aber unendlich viele dann auch nicht.
Mein Fazit bisher:
- Es ist natürlich absolut großartig, sechs Monate lang nicht arbeiten zu müssen. ;)
Und dadurch, dass ich ja auch meinen kompletten Themenbereich abgegeben habe, habe ich auch sehr schnell komplett von der Arbeit abgeschaltet. - Tatsächlich vermisse ich auch wenig an Deutschland. Wobei es in den Tropen ja auch früh dunkel wird. Aber ich sitze hier grad um 22:30 Uhr am PC und es hat draußen immer noch 26°C... :)
Jetzt habt ihr ja grad scheinbar immerhin mal richtig schönen, schneereichen Winter. Aber das ist definitiv okay, dass ich mal einen Winter verpasse. :)
Auch Brot oder anderes typisch deutsches Essen fehlt mir nicht. Eher das "richtige" Kochen (und dann das Essen davon).
Aber: Ich werde sicherlich zeitnah nach meiner Rückkehr in München ein schönes, großes Schnitzel essen und auf nen Berg gehen, um da Kaiserschmarrn zu essen. ;) - Es ist auch weiterhin ein absolutes Privileg für mich, dass ich das machen kann. Wer weiß schon, ob ich dazu noch in der Lage wäre, wenn ich Rentner bin. Also zu schätzen weiß ich das definitiv und mir begegnen ja auch oft große Augen, wenn ich sage, dass ich sechs Monate frei habe.
- Interessanterweise ist es nicht so, dass ich DAS EINE Mega-Highlight im Kopf hätte, wenn ich an die bisherige Reise denke.
Es fallen mir aber mehrere Sachen sofort ein, die ich wirklich beeindruckend fand.- Zusammenfluss von Amazonas und Rio Negro bei Manaus
- Iguazu-Wasserfälle
- Sonnenuntergang über Rio de Janeiro vom Zuckerhut aus gesehen
- Segeln bei Sonnenuntergang auf dem Rio de la Plata mit Blick auf Buenos Aires
- Tauchen in Palau
- Mir ist nochmal bewusst geworden, WIE angenehm es ist, wenn man die jeweilige Landessprache spricht. In Argentinien und Chile hat mein Spanisch so Vieles einfacher gemacht und automatisch für ein ganz anderes Wohlgefühl gesorgt. Man kann auch einfach alles lesen und verstehen. Verarschen kann einen dann natürlich auch niemand, wobei ich ja bisher auch immer an anständige Leute geraten bin.
- Die Unterschiede sind immer wieder spannend. Man sieht natürlich verdammt viel Armut und Elend. Oder zumindest sehr viel einfachere Verhältnisse. Wo die Menschen aber trotzdem viel lachen. Man kommt immer wieder zur Frage, wie wir Deutschen es eigentlich schaffen, so unfassbar viel zu meckern angesichts unseres Lebensstandards (möchte mich da ja gar nicht rausnehmen).
Und gleichzeitig findet man natürlich auch in jedem Land Dinge, die dort deutlich besser laufen. Was die Philippinen hier für eine App gezaubert haben für diverse Behörden-Dienstleistungen inklusive Einreise-Formular, das ist schon cool. In vielen Ländern hatte ich an den entlegensten Orten feinstes, stabiles 5G-Internet. Da sieht's in Deutschland ja ganz anders aus...
Ansonsten habe ich ja versucht, so transparent wie möglich zu benennen, wenn was nicht gut läuft oder frustrierend ist. Einfach, um auch wirklich ein ehrliches Bild zu geben.
- Das viele alleine sein, ist deutlich schwieriger als gedacht. Ich hätte auch gedacht, dass ich leichter Leute kennenlerne. Ich komm ja eigentlich sehr gut mit mir selbst klar. Aber beim Reisen wird man halt doch immer viel mehr drauf aufmerksam gemacht als zu Hause. Bei Restaurantbesuchen etwa oder wenn man doch mal Leute kennenlernt, sind das ja auch oft Paare.
Die festen, richtigen, über Jahre gewachsenen Beziehungen zu euch allen, die fehlen natürlich sehr. Whatsapp und Co. machen das unfassbar viel leichter. Aber ganz ersetzen können sie das natürlich nicht. - Ich bin inzwischen echt übersättigt. Dschungel, Wasserfälle, Palmenstrände... Sieht irgendwie inzwischen alles nahezu gleich aus. Kaum was kann mich noch richtig vom Hocker reißen. Weil ich natürlich in kurzer Zeit auch sehr viel gesehen habe.
In gewisser Weise ist das auch total faszinierend, wo sich z.B. die Dschungel von Brasilien und von Südostasien ähneln. Aber am Ende ist es einfach kräftig grüner Regenwald und sehr schwüles Klima. ;)
Anne hat das dann natürlich vollabbekommen, weil es sich in Vietnam und Kambodscha dann besonders deutlich gezeigt hat. :)
Und ich habe immer noch irgendwie zu wenig Luft gehabt, mal alles sacken zu lassen. Vielleicht wird das besser, wenn ich jetzt mal längere Zeit an einem Ort bin.
Hätte ja nie gedacht, dass ich das mal sage, aber ich bin echt reisemüde. Nochmal 3 Monate in dem Modus würde ich wirklich nicht wollen. - Was mich gar nicht stört, ist das permanente Aus-dem-Koffer-leben. Was aber natürlich anstrengend ist, ist das immer wieder neue Orientieren und sich einfinden. Aber das war klar.
- Es ist allgemein eine schwierige Balance, genug Zeit an den Orten einzuplanen zum Nichtstun und dann auch wirklich nichts zu tun. Man ist ja an Orten, wo andere nie hinkommen werden und ich hatte dann immer das Gefühl, dass ich doch irgendwas angucken oder sehen muss. Sich davon zu lösen, ist gar nicht so einfach. Im Nachhein würde ich vermutlich noch mehr Zeit an einigen Orten einplanen dafür. Und dafür vielleicht doch weniger Länder.
- Ich merke sehr, sehr deutlich, dass ich keine 20 mehr bin... Manche Dinge waren für mich früher total entspannt oder n cooles, lustiges Abenteuer und stressen oder nerven mich heute tierisch. Ich habe zwar weiterhin kein Problem mit Hostels. Aber ich merke doch, wie viel wohler ich mich fühle, wenn ich ein SCHÖNES, gemütliches Zimmer habe und das hat man in Hostels wirklich nicht immer.
Und gleichzeitig sind die meisten anderen Backpacker eben sehr wohl in ihrern 20ern. Da fehlt's dann auch an gemeinsamen Themen. - Ich hätte gedacht, dass ich inzwischen schon viel mehr Bücher gelesen hätte. :)
- Ich kenne mich gar nicht so schusselig / vergesslich wie in diesem Sabbatical. Was ich inzwischen alles verloren oder vergessen habe...
- Kreditkarte in Argentinien
- Badehose in Chile
- GoPro beim Reinspringen ins Wasser verloren
- internationaler Stromadapter und Apple-Ladekabel im allerletzten Hotel in Hanoi liegen lassen (Ersatz am Flughafen Hongkong hat schlappe 71 EUR gekostet)
Ist dieses Sabbatical bisher also absolut einschneidend und lebensverändernd? Sicherlich nicht. Ihr werdet mich also voraussichtlich noch wiedererkennen ab April. ;)
Ist es eine spannende, lehrreiche Erfahrung? Auf alle Fälle! Und ich empfinde es weiterhin auch wirklich als absolutes Privileg.
Würde ich es exakt so wieder machen? Natürlich nicht, wäre ja auch schlimm. Dazulernen kann man ja immer.
Würde ich ein Sabbatical und eine große Reise wieder machen? Absolut! Allerspätestens zum 50. Geburtstag. ;-) Aber dann vielleicht eher 3 Monate statt 6?
Beim nächsten Mal gibt's dann mal einen ersten Bericht aus Moalboal und von meiner Tauchausbildung hier.
Lasst es euch gut gehen. :)
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Kommentare
Wieder ein sehr interessanter Artikel. Ich finde es fazienierend wie gut Du das alles reflektieren kannst. Hut ab.