Hallo zusammen,
ich wünsche euch allen einen schönen 2. Weihnachts-Feiertag!
Ich war ja in 2014 schon mal in Vietnam und bin da einmal komplett von Nord nach Süd durch Vietnam gereist.
Jetzt war ja aber die Frage, welches Ziel Sinn macht für drei Wochen Reisen mit meiner Schwester. Es musste für uns beide gut erreichbar sein, ich wollte danach auch gut weiterkommen zu meinem Ziel für den Divemaster. Und da meine Schwester noch nie in Asien war, sollte es auch irgendwie ein guter Einstieg in Asien sein.
In China, Thailand, Vietnam und Malaysia war ich schon. Gleichzeitig ist in Malaysia und Indonesien jetzt überwiegend Regenzeit und wir wollten halbwegs Schön-Wetter-Garantie haben.
Daher fiel die Wahl dann darauf, dass wir zu Beginn etwas über eine Woche durch den Norden von Vietnam (ich fand den Norden damals deutlich schöner und kompakter) und dann knapp zwei Wochen durch Kambodscha reisen, was dann auch für mich ein neues Reiseziel ist.
Daher haben wir uns in Hanoi, der Hauptstadt von Vietnam, getroffen und Hanoi war auch so ein bisschen der Dreh- und Angelpunkt der Vietnam-Reise. In Hanoi haben wir erstmal einen Tag verbracht, sind dann weiter in die Berge zu den Reisterrassen von Sapa (wir waren zeitweise 2km von der chinesischen Grenze weg) und von dort wieder zurück nach Hanoi. Sind allerdings von dort direkt ohne große Pause weiter in die Halong-Bucht. Von da dann wieder zurück nach Hanoi und dort nochmal einen Tag verbracht vor der Weiterreise nach Kambodscha. Am Ende nochmal Hanoi, denn Anne fliegt von dort zurück nach Deutschland und ich fliege dann von dort weiter auf die Philippinnen.
Die Idee war also ein guter und einigermaßen entspannter Start in Asien mit leckerem Essen, tollen Landschaften und einer typisch-asiatischen, quirligen Großstadt. Wo man auch mit Englisch relativ gut weiterkommt.
Ich muss sagen, ich war ganz teilweise ganz schön enttäuscht von Vietnam.
Das Englisch-Niveau hat gefühlt zumindest mal keine spürbaren Fortschritte gemacht in den elf Jahren seit meiner letzten Reise. Selbst in absoluten Touristenzentren sind viele Leute sehr schnell an ihre Grenzen gekommen. Sie können halt einige häufig gestellte Fragen beantworten. Aber sobald mal was anderes gefragt wird, wurde es schwierig.
Ich weiß noch, dass ich damals schon gesagt habe, dass sie in der Halong-Bucht unbedingt auch ihr Müll-Problem in den Griff bekommen müssen, wenn sie da weiter Touristen anlocken wollen. Die ist ja mega beeindruckend, war damals aber schon ziemlich dreckig. Aber was wir sowohl in Sapa als auch in der Halong-Bucht an Müll und vor allem an Plastik-Müll gesehen haben, war schon ganz schön erschreckend. In Sapa halt in Ecken, wo die meisten Touristen wohl nicht vorbeikommen, achtlos den Hang runtergeschmissen. In der Halong-Bucht trieb einfach alles auf dem Wasser und an den Schiffen vorbei.
Gleichzeitig ist es irre, was an Infrastruktur hochgezogen wurde in den elf Jahren. Die Straßen sind wirklich gut ausgebaut. Sapa besteht gefühlt aber nur noch aus Hotels, Restaurants, Bars und Geschäften für Outdoor-Ausrüstung. Alte Häuser wurden und werden abgerissen und überall werden weitere, teilweise riesig große Hotels gebaut. Während in der Stadt in der Nebensaison jetzt schon viel Stau war. In Sapa haben sie sogar eine ziemlich lange Seilbahn gebaut, die 1.500 Höhenmeter überbrückt hoch auf den Fansipan, den höchsten Berg Vietnams und wohl einen heiligen Berg für das Land.
In der Halong-Bucht sind auch dutzende wirklich großer Schiffe unterwegs für die dortigen Kreuzfahrten. Wo unser Schiff vor elf Jahren noch so 1,5 Etagen hatten (2. Etage bestand aus dem Restaurant und einer offenen Terrasse), ging jetzt nichts unter drei Etagen. Mehrfach bis sechs Etagen. Und wirklich unfassbar viele Boote. Am Hafen auch endlos viele Hotels, teils aber auch schon leer stehende, bereits verfallende relativ neue Gebäude. Wenn sich da mal nicht eine Blase bildet.
Und überall auch viel Smog.
Verstehe total, dass die Vietnamesen ihren Teil vom Kuchen haben möchten und es wirkt auch, als sei der Wohlstand deutlich gestiegen. Aber das scheint schon arg auf Kosten der Umwelt zu gehen und zumindest für uns hat es die eigentlich sehr schönen Landschaften und den Gesamteindruck doch SEHR getrübt. Aus meiner Sicht müssen sie da echt aufpassen, dass das auch besuchenswerte Orte bleiben.
Man merkt halt auch, dass unsere Anstrengungen im Umweltschutz auf globaler Ebene echt verpuffen werden, wenn man das so sieht und vor allem auch die Gleichgültigkeit der Leute vor Ort. Da ist gefühlt auch gar nicht das Bewusstsein da, dass das Mist ist. Die Liebe zur Plastik ist jedenfalls noch sehr ausgeprägt. Aber gleichzeitig merkt man, wie froh wir um unsere Luft- und Wasserqualität sein können.
Muss auch allgemein sagen: Ich bin grad ein wenig übersättigt und in Vietnam war ich auch arg ungeduldig und nicht sehr verständnisvoll unterwegs. Glaub, ich passe nicht so zur asiatischen Kultur. ;) Oder habe diesmal lange gebraucht zur Gewöhnung an die Kultur und wie man damit umgehen muss. In Vietnam hat das jedenfalls noch gar nicht geklappt, in Kambodscha grad wird es allmählich besser. ;)
Ich hab jetzt natürlich in kurzer Zeit sehr viel gesehen und den Norden Vietnams hab ich eh schon gut bereist. Daher habe ich da vielleicht auch den Blick einfach woanders hingelenkt. Ich hab da dann selber schon n schlechtes Gewissen, aber ganz oft war ich im Kopf im Modus „Joa, kenne ich schon.“ oder „Joa, kürzlich so oder so ähnlich schon gesehen“. Daher fiel es mir ein bisschen schwer, den Fokus auf die schönen Sachen gelenkt zu halten. Insbesondere in Sapa und in der Halong-Bucht. Hanoi hat mir grundsätzlich schon weiterhin gefallen. Sehr quirlig, sehr lebendig, all die Gar-Küchen überall. Da ist schon Leben in der Bude! :)
Hier mal die Eindrücke von Hanoi. :)
Wir hatten ein Hotel mit einer coolen Dachterrasse. Da unser Zimmer kein Fenster hatte ( :) ), „mussten“ wir ja die Aussicht von da oben genießen.
Am nächsten Morgen ging es dann mit einem Minibus nach Sapa in die Berge. Dort gibt es wirklich schöne, hunderte Jahre alte Reisterrassen und ziemlich hohe Berge bis etwas über 3.000 Meter.
Wir wussten, dass das zu dieser Jahreszeit ein Risiko ist. Sapa selbst liegt schon auf knapp 1.500 Meter, der höchste Berg Fansipan auf etwas über 3.100 Meter. Der Fansipan ist auch ein heiliger Berg für die Buddhisten. Aber kein Grund, da keine fette Seilbahn hochzubauen. :)
Theoretisch hätte es da auch Schnee haben können, auf dem Fansipan sogar richtig viel. Das war zum Glück nicht der Fall.
So richtig Glück mit dem Wetter hatten wir aber trotzdem nicht.
Bei Ankunft war es noch ein netter Sonne-Wolken-Mix, wodurch die Berge sogar beeindruckend dramatisch gewirkt und aus den Wolken geguckt haben. Die Tage danach waren mitunter aber sehr neblig, mit Sichtweiten von teilweise nur 50 Metern. Echt schade. Vor allem zur Abenddämmerung hatten wir nie gute Sicht. Dabei waren die Reisterrassen teilweise schon mit Wasser gefüllt und das ist wunderschön, wenn sich dann bei Sonnenuntergang das Licht in den Reisterrassen spiegelt.
Wir sind daher dann direkt nach Ankunft auf den Fansipan hochgefahren (was gut war, die Tage danach hätten wir das gar nicht probieren brauchen). Am zweiten Tag haben wir dann eine Wanderung durch die Reisterrassen und lokalen Dörfer gemacht (also zu den Dörfern der ursprünglichen Bergvölker hier). Am dritten Tag sind wir auch nochmal zu so einem Bergdorf gelaufen und nachts mit dem Nachtzug zurück nach Hanoi.
Der Fansipan und die Aussicht von dort ist definitiv sehr beeindruckend. Leider hatten wir nicht viel Zeit. Die Fahrt hoch dauert ne Weile und um 16 Uhr fuhren schon die letzten Bahnen runter. Aber man hält es auch gar nicht ewig aus. Da blies einem der Wind ganz schön um die Ohren. Das kommt auf den Bildern leider nicht so gut rüber.
Die Aussicht vom Hotel aus.
Und hier die Aussicht von der Seilbahnfahrt nach oben.
Und oben angekommen war die Sicht dann wirklich absolute Glückssache und konnte sich in Sekunden ändern, da die Wolken genau über den Berg gezogen sind.
Die beiden nachfolgenden Bilder vom selben Eingangsportal sind innerhalb von ca. zwei Minuten entstanden.
Wir sind dann aus Zeitmangel ganz hoch gefahren (da wo die Flagge ist) und dann runtergelaufen. Und dann mit der Seilbahn wieder ganz runter.
Und das hier war dann schon der Abend vom ersten Tag… :)
Die Wanderung durch die Reisterrassen und Dörfer am nächsten Tag war dann tatsächlich auch nicht ohne. Wenn etwas terrassenförmig angelegt ist, überwindet man ja logischerweise ganz schön was an Gefälle. Und durch das Wetter war es teilweise sehr rutschig und matschig. Die in Manila neu gekauften Sneaker sehen nun nicht mehr neu aus. :)
Landschaftlich aber sehr schön. Wäre bei guter Sicht sicher noch besser. ;)
In den Dörfern ist das Leben schon noch einfacher. Flächendeckende Elektrizität gibt es erst seit wenigen Jahren. Aber im Gegensatz zu manchen, durchaus dichter bewohnten Gegenden in Deutschland hier überall gutes Mobilfunknetz. Asien ist bei Weitem nicht in allen Belangen rückständig gegenüber Deutschland…
Die Dörfer hatten auch eigene Kindergärten und zumindest Grundschulen (in standardisierter Modulbauweise, was ja in Deutschland wie durch Zauberhand unser Bauproblem lösen soll).
Sind dann abends noch ein bisschen durch den dort geschlendert. Aber Charme hat der Ort leider nicht (mehr?). Der Nebel hat auch nicht geholfen, auch wenn er was hat.
Und hier mal ein Beispiel für den Müll…
Sind dann, wie gesagt, am letzten Tag nochmal in ein anderes Dorf. Das wird aber regelrecht als Kitsch-Museumsdorf missbraucht aus meiner Sicht. Fand ich daher nicht so toll.
Abends ging es dann also mit dem Nachtzug zurück nach Hanoi.
Wir haben uns extra eine eigene Schlafkabine gebucht. Die meisten Kabinen haben zwei Betten übereinander auf zwei Seiten. Also in Summe vier Betten. Im Grunde wurden dann einfach die oberen Betten weggeklappt und so war es eine 2er Kabine. Aber immerhin mit WLAN und einem Gute-Nacht-Bier inklusive.
Auch das Schlafen im Zug hatte ich irgendwie weniger anstrengend in Erinnerung. ;o
Jetzt war das Geruckel eher unangenehm und nicht schön-einschläfernd. Viel Lärm draußen von Passagieren auf dem Weg zum oder vom Klo, ruckartiges Bremsen, nicht steuerbare Klimaanlage.
Und vor allem: sehr dünne Matratzen auf einem blanken Holzbrett. Wir haben dann die Matratzen der oberen Betten auf unsere Matratze draufgelegt. Damit ging es dann ganz passabel und so sind wir morgens um sechs wieder in Hanoi angekommen. Von da ging es dann mehr oder weniger direkt zur Halong-Bucht weiter.
Wie bereits gesagt: Eigentlich landschaftlich wunderschön und beeindruckend. Leider völlig überlaufen und dreckig. Das Boot war aber wirklich angenehm und komfortabel. Das Badezimmer mit Badewanne vor einem Panorama-Fenster plus Dusche sogar mit Abstand das Komfortabelste bisher. Man konnte dann immer wieder schwimmen gehen (haben wir uns gespart) oder Kajak fahren. Und dann gab es auch ein paar Ausflüge zu kleineren Buchten oder auf eine größere Insel. Die konnten wir dann sogar mit dem Fahrrad befahren, was mal eine angenehme Abwechslung war.
Hier mal die Bucht, in der dann quasi alle Schiffe über Nacht geankert haben…
Sehr stolz sind sie in der Bucht auch auf ihre Austern- und Perlenfarmen. Unser Bus zur Bucht hat schon auf dem Hinweg an einer „Raststätte“ angehalten, die eigentlich ein Perlen-Shop. Man musste einmal durch eine Vorführung über das Aufschneiden einer Auster und Herauslösen der Perle sowie durch den sehr langen Perlen-Shop durch, bevor man mal zum Café und zum Snack-Bereich kam. Nach ca. 30 Minuten ging die Fahrt weiter. Auf dem Weg zur Fahrradtour auf der Insel ging es zu einer weiteren Perlenfarm…
Da gab es dann auch Becken für die Fischzucht, so wie aussah. Niemand kam auch nur ansatzweise auf die Idee, das Plastik und den Müll aus dem Becken zu entfernen, in dem die Fische geschwommen sind. Und das Becken war in Relation zur Größe der Fische wirklich nicht sehr groß.
Dann ging es, wie gesagt, auf eine Insel und mit dem Fahrrad über die Insel. Das war ganz schön. :)
Und dann ging es mal aufs Kajak…
Zurück in Hanoi sind wir noch ein wenig durch die Stadt geschlendert und abends zur sogenannten Train Street gegangen. Die Züge fahren da im Grunde direkt durch die Wohnviertel. An einer Stelle waren sie findig und haben in einer Kurve einfach endlos viele Bars direkt an den Gleisen aufgestellt. Wenn ein Zug kommt, packen sie die Tische und Stühle, die zu nah am Gleis sind, schnell weg und bauen sie danach wieder auf. Und verlangen ansonsten eben den doppelten Preis fürs Bier. :)
Ist aber tatsächlich ziemlich lustig und beeindruckend, wenn der Zug unmittelbar an einem vorbeifährt.
Das war es erstmal mit Vietnam. Wir sind ganz am Ende nochmal einen Tag in Hanoi.
Aber im Wesentlichen ging es dann von Hanoi mit dem Flugzeug nach Pleiku und von da über die Grenze nach Kambodscha.
Offen gesagt hat uns das ganz schön nervös gemacht.
Wir haben ja gesehen, wie mäßig das Englisch-Niveau teilweise an den Touristen-Hotspots ist. Dass die Stadt ein Touristen-Magnet ist, kann man von Pleiku nun wirklich nicht behaupten. Über Busse und Transfers von Kambodscha über die Grenze nach Pleiku konnte man überall lesen. In die andere Richtung komischerweise gar nichts bzw. sogar eher von explizit eingestellten Bus-Verbindungen. Der Besitzer von unserer ersten Unterkunft in Kambodscha hat uns auch ein bisschen verwirrt und meinte, wir sollten unbedingt US-Dollar für die Grenze dabei haben und Passfotos.
Also haben wir in Hanoi noch Passbilder machen lassen…
Der Money Exchange am (internationalen) Flughafen Hanoi hatte dann leider einfach mal zu… Am Flughafen von Pleiku gab es erst gar keinen. Und leider hatten wir auch nicht bedacht, dass Sonntag ist und dass da alle Banken zu hatten. Wir hatten also keine Chance, an US-Dollar zu kommen.
Immerhin konnten wir uns dank Google Translate (absoluter Segen!) am Busbahnhof verständigen und man hat dort tatsächlich einen Minibus ausfindig gemacht, der am Nachmittag über die Grenze zu unserem Zielort in Kambodscha fahren sollte.
Am Ende hat dann auch alles absolut problemlos geklappt. Wir konnten an der Grenze mit vietnamesischer Währung zählen, hätten auch in kambodschanischer Währung oder in US-Dollar zahlen können und die Passbilder wollte natürlich niemand sehen… Aber wir haben schon n bisschen geschwitzt… ;)
In Summe also:
Anne fand Vietnam als Einstieg zu Asien ganz cool. Nochmal muss sie es nicht haben, sagt sie. Ich brauche Vietnam definitiv auch nicht nochmal. Bin gespannt und würde es dem Land aber wirklich wünschen, dass sie das Müllproblem in den Griff bekommen. Denn eigentlich sind die Landschaften dort wunderschön und die Menschen nett.
Ich berichte dann Anfang Januar zu Kambodscha.
Aber soweit gefällt es Anne und mir in Kambodscha sehr viel besser und allgemein ziemlich gut. :)
Genießt weiterhin die Tage und rutscht gut ins neue Jahr!
Euer Steffen
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Kommentare
Trotzaller Kritik - die Fotos aus der Halong Bucht sind großartig und die Sache mit dem Zug ist lustig. Deutschen Sicherheitsleuten werden allerdings die Haare zu Berge stehen.
Noch schöne Tage in Kambodscha.